Abteilung für vergleichende Länderkunde

damals: Wilhelm-Leuschner-Platz 10,

heute: Institut für Länderkunde, Schongauerstraße 9

An das Völkerkundemuseum angeschlossen und zunächst im selben Gebäude befand sich auch die Abteilung für vergleichende Länderkunde. Die Abteilung wurde von dem Vulkanologen Alphons Stübel gegründet und in den ersten Jahren von ihm als Ein-Mann-Betrieb geführt. Ab 1906 übernahm der Mineraloge Walter Bergt die Abteilung und beantragte 1907 mit Unterstützung von Hans Meyer die Eigenständigkeit als Museum. Hans Meyer war ein wichtiger Kolonialbefürworter, und so gab sich das Museum mit der Eigenständigkeit auch eine Neuausrichtung, die sich in der Profilerweiterung »Darstellung der Überseeischen Besitzungen« und der Sonderausstellung »Die Deutschen Kolonien in Bildern von Ernst Vollbehr« 1908 zeigte.

Der Nachfolger dieser Institution, das Leibniz-Institut für Länderkunde, besitzt noch heute eine große Sammlung von Vollbehrs Bildern. Vollbehr dokumentierte nicht nur den Alltag in den Kolonien, sondern war später auch Frontmaler im Ersten Weltkrieg. Im Nationalsozialismus war sein realistischer Stil ebenfalls gefragt, und so malte er im Staatsauftrag Bilder von Reichsparteitagen und vom Autobahnbau. Er avancierte zu jener Zeit zu einem der populärsten Künstler Deutschlands.

Das Museum für Länderkunde passte sich in seiner weiteren Entwicklung der politischen Großwetterlage an. Ab 1935 richtete es sich zunehmend politisch aus und wuchs mit staatlicher Unterstützung. 1940 beantragte der damalige Direktor Reinhard einen größeren Neubau für das Museum. Seine Pläne sahen auch den Bau eines Kolonialmuseums am Deutschen Platz vor. Dies begründete er mit dem »Eintritt Deutschlands in eine neue Kolonialepoche«. Der weitere Verlauf des Zweiten Weltkriegs ließ es aber nicht so weit kommen. Die neue Kolonialepoche und das Kolonialmuseum wurden nicht realisiert.