Krystallpalast Varieté

Magazingasse 4

Gelände im Krystallpalast Leipzig um 1900

Gelände im Krystallpalast Leipzig um 1900

»Artistische Attraktionen, musikalische Sternstunden, komödiantische Vergnügen und kulinarische Köstlichkeiten« verspricht uns die Internetseite des Krystallpalast Varieté Leipzig. Das Varieté ergänzt das vielseitige und beliebte Kleinkunst- und Kabarettprogramm, das es in Leipzig zu sehen gibt und das zum Markenzeichen der Stadt geworden ist. Auch hier, im »Theater der Sinne«, finden sich bei näherem Hinsehen koloniale Spuren: Das Krystallpalast Varieté wurde zwar erst 1997 gegründet. Es beruft sich aber auf die Tradition des 1882 unter demselben Namen gegründeten Varietés, das sich bis zum Zweiten Weltkrieg in der Wintergartenstraße befand. In diesem 15.000 Gäste fassenden Amüsiertempel trat im Jahr 1885 eine Gruppe TänzerInnen aus der neu erworbenen Kolonie Kamerun auf. Dazu spielte die Kapelle des König-Sächsischen-Infanterieregiments den Kamerunmarsch.(1)

Erstaunt berichtete das Leipziger Tageblatt(2) darüber, dass die KamerunerInnen nach einem der Auftritte zu einem spontanen »Bierkommers« eingeladen wurden. Es wurden Hüte getauscht und Reden gehalten. Ma-KA-Oli, die »Respectsperson« der Gruppe und »in seiner Heimat am Kamerunfluss ein ganz respectabler Grundbesitzer« hielt die erste Ansprache mit einem Glas Cognac in der Hand und in »außerordentlich gewandter Rede«. Nachdem der erste deutsche Redner sein Bier geleert hatte, wünschte ein zweiter noch, dass die AfrikanerInnen ebenso schnell Deutsch lernen sollten, wie sie vorher Englisch gelernt hatten. Danach wurde noch bierselig zusammen gesungen: »Heil dir im Siegerkranz« und »Wacht am Rhein«.

Der Autor des Artikels stellt dann noch verwundert fest: »… allein [N*], wie wir ihn mit dem Worte verbinden, sind sie kaum.« Offenbar waren sie ihm nicht ›wild‹ genug oder zu intelligent.

  • (1) Vgl. Leipziger Tageblatt, 31.5.1885.
  • (2) Vgl. ebd.
Abbildungen dieser Seite:

Mitte: Wikimedia

»Leipziger Tageblatt« v. 31.05.1885

»Leipziger Tageblatt« v. 31.05.1885